Was fängt frau bloß mit einem Döschen Rocailles an?

Lies hier, wie ein Plastikdöschen bunte, unregelmäßige Saatperlen  mein Leben verändert hat!

Dieses Döschen hatte etwa im Jahr 2000  zu mir gefunden, als mein Sohn noch sehr klein war. Ich war Hausfrau. Zuhause. Gehandarbeitet und gebastelt habe ich in der Zeit viel und mit Begeisterung. Ich hatte Zeit. Bei einer Materialbestellung wurde besagtes Döschen einfach so mal mitbestellt – mal sehen, was frau daraus machen kann.

Ich fing an, online Anregungen zu suchen, was damals nicht ganz so einfach war. Es gab deutschsprachig außer Perlentierchen so gut wie nix zu finden. Weder als Buch, noch online. Die Drahttierchen gefielen mir aber nicht. Mein erster Test wurde dann ein gesticktes Schmuckstück ohne Anleitung. Ich hab dabei gefühlt alle Fehler gemacht, die frau machen konnte: Ich hatte keine Nadel, die mehrfach durch die Perlenlöcher passte, hab mich mit normalem Nähfaden abgeplagt, auf Stoff gestickt, der ausfranste…..

Aufgeben war keine Option!

Irgendwann habe ich einen Online-Perlenversand gefunden, der vor allem tschechische Saatperlen verkaufte. Aber auch japanische. Zum ersten Mal las ich etwas über Delicas und über die Vorteile der gleichmäßigeren japanischen Rocailles! Und es gab eine Liste mit freien englischsprachigen Anleitungen, yippieh! Zuerst musste ich  das Übersetzen lernen, damit ich die Anleitungen überhaupt verstehen konnte. Es waren vor allem indianisch inspirierte Muster in Peyote, aber auch Chevron Chain und Spiral Rope. Die letztere wurde dann mein erster Versuch im Perlenfädeln.

Ich war begeistert!

Es kamen immer mehr Perlen dazu, ich bestellte englischsprachige Bücher, übte, stickte und fädelte. Immer im Alleingang. Ich musste erst nach Polen gehen, um festzustellen, dass es in Deutschland eine wachsende Zahl Perlenfädel-Anhänger gibt!

Dann hatte ich die ersten Veröffentlichungen in der Perlen-Poesie, beginnend mit der „Alkyone“ in der 2. Ausgabe. Ich wurde alleinerziehend  und brauchte einen Job. Seit 2012 bin ich nun als technische Redakteurin beim Beaders Best Verlag für die Bearbeitung des Anleitungsteils zuständig. Ich habe einen shop bei etsy, wo man meine Anleitungen und Kits bekommen kann, seit 2016 bin ich Starman Trendsetter. Ein Buch hab ich geschrieben, Anleitungs-Veröffentlichungen in den USA kamen hinzu, ich begann Kurse zu geben. Weil es mir und meinem Lebensgefährten großen Spaß macht, tingeln wir über Kunsthandwerkermärkte in der Region.

Als ich in 2000 begann, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass das alles möglich ist. Die Perlen haben tatsächlich mein Leben verändert. Dafür bin unendlich  dankbar!

Herzliche Perlengrüße,

Unterschrift